StartseiteAustauschprogrammeDeutsch-polnische Schülerbegegnung

Mannlich-Realschule Zweibrücken und III Liceum Ogólnoksztalcace in Swidnica (Polen)



Eine deutsch-polnische Schülerbegegnung in Swidnica und Krzyzowa (Kreisau) vom 11. bis 20. Mai 2009



Deutsche und Polen gedenken in diesem Jahr gemeinsam des Überfalls Nazi-Deutschlands auf Polen 1939 und der mitteleuropäischen Revolutionen von 1989. In Deutschland steht noch ein drittes Datum im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses:
1949 entstand das Grundgesetz, vor genau sechs Jahrzehnten wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Da sich die Stiftung Kreisau als Stiftung für Europäische Verständigung versteht und als Ergebnis des „Völkerherbstes“ von 1989 bot es sich an, dass die Schülergruppe beider Schulen nach dem Miteinander in der gastgebenden Schule und in den polnischen Familien, auch in einem gemeinsamen Projekt in Kreisau ihre Arbeit fortführten.

Die Tagungs- und Begegnungsstätte Kreisau liegt in Niederschlesien (etwa 60 km von Breslau entfernt), auf dem ehemaligen Gutshofe der Familie von Moltke, wo sich während der Zeit des Nationalsozialismus die Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis versammelte. Träger der Einrichtung ist die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, die sich für ein friedliches und von gegenseitiger Wertschätzung geprägtes Zusammenleben der Völker und Gesellschaftsgruppen in Europa einsetzt.
Im November 1989 fand in Kreisau auch die symbolische Versöhnungsmesse unter Teilnahme des polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki und des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl statt. Die damals getroffenen Entscheidungen wurden Impulse für das Entstehen zahlreicher deutscher-polnischer Partnerschaften. Seit damals hat sich viel an den deutsch-polnischen Beziehungen verändert, und der Ort Kreisau wurde zum Leben erweckt.

Vor diesem Hintergrund ist unsere, von beiden Schulen getroffene, Schwerpunktsetzung zu verstehen. Neben einem landeskundlichen, historischen Exkursionsprogramm, wieWanderung zur SchneekoppeBesuch der Wangkirche in KarpaczStadtrundgang in Schweidnitz und Führung in der zum Weltkulturerbezählenden FriedenskircheStadtrundgang mit Führung in Breslau Besuch der Weberhäuser - auf den Spuren von Gerhard Hauptmann –Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz
führten wir Projekte in Form von Workshops durch.

Zwei möchte ich vorstellen:

A) „….. weil wir zusammen gedacht haben.“
Helmut James Moltke, 1907 – 1945

Die Zusammensetzung des Kreisauer Kreises und seine Verbindungen im deutschen WiderstandKindheit und JugendDemokrat und EuropäerDenken als Tat – gewaltlos aus Überzeugung „sittliche und religiöse Erneuerung unseres Volkes“
als Grundsätze für eine staatliche Neuordnung.Tod und Nachwirken
Die Durchführung erfolgte mit dem wiederholten Sehen des Films, Stationenarbeit, Schüler-Schüler-Gesprächen, Visualisierung auf Plakaten und Präsentation.



Der zweite Bearbeitungsschwerpunkt beschäftigte sich mit der Ausstellung „Europa – das ist unsere Geschichte“

„Schwarze Soldatenstiefel, ausgebeult, aber auf Hochglanz poliert. Ein Schuh auf dem Boden, der andere in der Höhe. Unheilvoll dräunende Musik. Man glaubt den festen Tritt einer todbringenden Hundertschaft zu hören. Europa im Krieg“ (so formuliert es ein polnischer Schüler, übersetzt von der Deutschlehrerin).

Damit beginnt die Ausstellung „Europa – das ist unsere Geschichte“ in Wroclaw (Breslau). Es ist eine Erfolgsgeschichte: vom Krieg zum Frieden; von Zerstörung zu Wiederaufbau und neuer Blüte. Aus Feinden werden Freunde.
Die Ausstellung, die nur in einigen wenigen Städten der EU gezeigt wird, machte auch in der berühmten Jahrhunderthalle in Breslau, die auch auf der Liste des Weltkulturerbes steht, Station. Die Ausstellungsbesucher gehen erst an den Soldatenstiefeln vorbei; durch das kriegszerstörte Köln hindurch, treffen auf belgische Lebensmittelkartons und die Kunst des polnischen Realsozialismus.

„Gib mir den Ziegel“, heißt eines der berühmtesten Bilder der Schau. Konrad Adenauer, Alcide de Gaspari, Jean Monnet und Winston Churchill werden als „Revolutionäre des Friedens“ bezeichnet.
Erstaunlich ist, dass man fast alles anfassen darf, sogar die amerikanische und sowjetische Rakete, die, einst in Zeiten des Kalten Krieges aufeinandergerichtet waren.

Dass die europäische Einigung nicht nur die Geschichte von Politikern, von Staaten und Verträgen ist, machen 27 „ganz normale“ Europäer/-innen deutlich. Auf Videobildschirmen erzählen sie wie sie selbst ein Stück Europa erkämpft haben, wie die EU ihr Leben oder auch ihr Denken verändert hat.
Eine Folterkammer aus der spanischen Diktatur von General Franco lässt uns Besucher wieder zurückschrecken. Verhörmethoden mit Stromschlägen, Schlafentzug und Schlimmeres gehören auch in den neuen EU-Ländern noch nicht allzu lange der Vergangenheit an. Aber dass die Spanier auch so leiden mussten, womöglich auch die Ostdeutschen, die Portugiesen und die Griechen, die ebenfalls unter einer Diktatur litten, das verbindet. Dann die Volksaufstände in der DDR, Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei, die Streiks auf der Danziger Werft.
Nach 1989 und dem Fall der Berliner Mauer beginnt die Wiedervereinigung Europas in der EU. Mit dem Schengen-Vertrag fallen die Grenzen, der EURO verbindet immer mehr EU-Länder. Wer Lust hatte, konnte an einem Computer sein eigenes Leben in die Geschichte Europas einreihen.

Die Ausstellung über diese Erfolgsgeschichte der europäischen Wiedervereinigung bildete damit den Ausgangspunkt für unser zweites gemeinsames Schulprojekt.

Europas „große“ Geschichte des Zusammenschlusses wurde damit untrennbar mit der „kleinen“ Geschichte aller Europäer verbunden.



Zweibrücken, den 20. August 2009



Robert Paul

P r o g r a m m
vom 11.05. bis 20.05.2009

Projekt: “Horizont erweitern”

  ab 11.05.2009 Swidnica
Montag, 11.05.2009 Ankommen, Zuteilung Familien
Dienstag 12.05.2009 Begrüßung in der Schule, Kennenlernen des Schulsystems, Stadtführung
Mittwoch 13.05.2009 Schulbesuch und gemeinsames Musizieren; Besichtigung der Friedenskirche; Stadtrallye
Donnerstag 14.05.2009 Tagesfahrt ins Riesengebirge
- Schneekoppe, - Wang-Kirche,
- Gerhard-Hauptmann-Haus
Freitag 15.05.2009 Recherchenorientierte Projektarbeit: vormittags: Bevölkerungsentwicklung und Erwerbsstruktur in Swidnica; nachmittags: Die schlesische Küche - Gemeinsames Kochen für den „Bunten Abend“
  ab 16.05.2009 Krzyzowa
Samstag 16.05.2009 Kreisau – Spuren der Geschichte; Die Auseinandersetzung mit der näheren Vergangenheit
Sonntag 17.05.2009 Projektarbeit: Gemeinsame Suche nach Verständigung über Gräben historischer, politischer und sprachlicher Art; Biographie: Hedwig von Schlesien
Montag 18.05.2009 Tagesfahrt nach Breslau
Dienstag 19.05.2009 Grenzen und deren Überwindung – unser gemeinsamer Beitrag
Mittwoch 20.05.2009 Abreise



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