Studienreise nach Polen und in die Slowakei
Auch in Deutschland war die Welle der Trauer aus Polen angekommen. Die Tragödie in Katyn hat nicht nur die Polen in fassungsloser Trauer zusammengeschweißt. Sie hat auch die Aufmerksamkeit der Deutschen auf das leidgeprüfte Nachbarvolk gelenkt. Verwundert stellt man bei dieser Gelegenheit fest, wie viele Polen unter uns und mit uns leben – weitgehend ohne Konflikte. Längst sind die Polen zu einem prägenden Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden. Das gilt für die 400.000 Polen mit polnischer Staatsbürgerschaft wie für die Millionen mit Migrationshintergrund. Die prominentesten unter ihnen sind die Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski und Miroslaw Klose. Doch ungeachtet der spürbaren Entspanntheit im gesellschaftlichen Kontext hält sich vielfach das Klischee vom schwierigen, belasteten Verhältnis der beiden Nachbarvölker. Doch die Wirklichkeit unserer nun schon seit sieben Jahren bestehenden Partnerschaft spricht eine andere Sprache. Der Besuch in Schweidnitz ist wie heimkommen. Nach einer Übernachtung in den Familien fahren wir am nächsten Tag mit unseren polnischen Gastgebern nach Krakau. Krakau trägt den Ehrentitel Kulturstadt Europas, zählt eine Million Einwohner und ist die meistbesuchte Stadt Polens. Krakau ist ebenfalls eine traditionsreiche Universitätsstadt. Die berühmte Universität aus dem Jahre 1364 gehört zu den ältesten in Europa. Selbstverständlich fehlt es in einer so ehrenwürdigen Stadt auch nicht an Touristenattraktionen, die den Aufenthalt unterhaltsam und abwechslungsreich gestalten. Für die deutsch-polnische Gruppe war es selbstverständlich, dass wir auch das Grab des in Katyn bei einem Flugzeugabsturz umgekommenen polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski besuchten. In einem gemeinsamen Workshop über das jüdische Leben in Krakau stand auch die Erkundung des jüdischen Viertels Kazimierz an. Der Besuch in Auschwitz-Birkenau musste infolge des Hochwassers abgesagt werden.
Nach den Tagen in Krakau brach die deutsch-polnische Gruppe auf nach Banská Bystrica zu unserer Partnerschule in der Slowakei auf. Nach einer ersten Kennenlernphase in den slowakischen Familien und in unserer Partnerschule machten wir uns als trinationale Gruppe auf den Weg in die Ostslowakei. Unser gemeinsames Aufgabenfeld war das Kennenlernen der Lebensumstände einer fast zehnprozentigen Minderheit in der Slowakei, der Zigeuner, noch vor den Ungarn, der größten Minderheit im Land. Diese Ghetto-ähnlichen Siedlungen meiden die Slowakei. Sie sind entwurzelt und ohne starke Interessenvertretung. In Elendssiedlungen fristen sie ihr Dasein und hoffen auf eine bessere Zukunft, in der sie keine gesellschaftlichen Außenseiter mehr sind.
Es sind nicht nur die Barrieren und Vorurteile von Seiten der Slowaken, die zu Problemen führen, sondern auch die Unsicherheit, mit der viele Roma der Gesellschaft gegenüberstehen: z.B. der heikle Bereich der Bildung: In der traditionell männerdominierten Roma-Gesellschaft wird es nämlich nicht gerne gesehen, wenn Mädchen die Schule besuchen und später ihre männlichen „Beschützer“ womöglich nicht mehr brauchen.
Fazit: Die sorgfältig ausgewählten aufgeschlossenen und verantwortungsbewussten Jugendlichen der drei Kooperationsschulen lernten durch unsere Workshops, über sprachliche, nationale und kulturelle Grenzen hinweg erfolgreich zu kommunizieren und Wege des Zusammenlebens in Europa zu finden, die auf Verständnis und Respekt füreinander beruhen.
Das trinationale Projekt war ein Beitrag zur Demokratie und Friedenserziehung, jenseits politischer und religiöser Bindungen.
Die Begegnungen zwischen den deutschen Schülern und ihren Partnern mit deren Familien verliefen überaus freundschaftlich und waren für alle Beteiligten ein Bereicherung.
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Swidnica |
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Ankommen, Zuteilung Familien (unbenannt) |
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Begrüßung in der Schule, Kennenlernen des Schulsystems, Stadtführung |
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Schulbesuch und gemeinsames Musizieren; Besichtigung der Friedenskirche; Stadtrallye |
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Tagesfahrt ins Riesengebirge - Schneekoppe, - Wang-Kirche, - Gerhard-Hauptmann-Haus |
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Recherchenorientierte Projektarbeit: vormittags: Bevölkerungsentwicklung und Erwerbsstruktur in Swidnica; nachmittags: Die schlesische Küche - Gemeinsames Kochen für den „Bunten Abend“ |
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Krzyzowa |
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Kreisau – Spuren der Geschichte; Die Auseinandersetzung mit der näheren Vergangenheit |
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Projektarbeit: Gemeinsame Suche nach Verständigung über Gräben historischer, politischer und sprachlicher Art; Biographie: Hedwig von Schlesien |
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Tagesfahrt nach Breslau |
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Grenzen und deren Überwindung – unser gemeinsamer Beitrag |
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Abreise |
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